{"id":9,"date":"2011-01-17T23:59:43","date_gmt":"2011-01-17T22:59:43","guid":{"rendered":"http:\/\/berengi.de\/wpb\/?p=9"},"modified":"2011-01-17T23:59:43","modified_gmt":"2011-01-17T22:59:43","slug":"fur-einen-den-ich-liebe-doch-ich-weis-nicht-wo-er-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berengi.de\/wpb\/2011\/01\/fur-einen-den-ich-liebe-doch-ich-weis-nicht-wo-er-ist\/","title":{"rendered":"F\u00fcr einen den ich liebe, doch ich wei\u00df nicht wo er ist"},"content":{"rendered":"<p>Der Winter kam, die N\u00e4chte wurden k\u00e4lter. Ich war mir nicht so ganz sicher, was ich an ihm fand. Da war irgendwie Zuneigung, da war irgendwie Gef\u00fchl. Doch ich war mir nicht so ganz sicher. Und so lief unser Leben so dahin. Bis zu diesem Abend, bis zu dieser Nacht. Wo ich ihn, Tom, verloren und die Liebe entdeckt habe. Wir waren nun schon seit einem Jahr zusammen, lebten in unserer eigenen kleinen Wohnung mit unseren eigenen, billigen M\u00f6beln. Es war zuerst nicht die wahre Liebe gewesen. Es war mehr eine Art Torschlu\u00df Panik, bei uns beiden. Irgendwann kommt das Alter wo die Hormone verr\u00fcckt spielen, wo man glaubt niemanden mehr mit zu bekommen. In genau so einer Laune kamen wir zusammen. Nach einem viertel Jahr flog er bei seinen Eltern aus der Wohnung und so zogen wir zusammen. Anfangs war es ein herrliche Zeit. Voller Romantik, Abenteuer und viel Spa\u00df. Ab und zu gab es mal Stre\u00df oder \u00c4rger. Kurz, alles war in bester Ordnung. Doch mit der Zeit wurde der Stre\u00df gr\u00f6\u00dfer. Die Streits h\u00e4uften sich und er wurde immer komischer. Zog sich immer mehr in sich zur\u00fcck und las alte seltsame B\u00fccher. Irgendwann war ich mir dann sicher, da\u00df ich ihn nie geliebt hatte, da\u00df das alles nur Einbildung war. Und so kam eines zum anderen. Ich traf einen Freund aus alten Tagen, ging mit ihm ab und zu mal aus und konnte wieder lachen. Dann eines Abends, zuviel Alkohol, zuviel gute Laune, gingen wir zusammen ins Bett. Das war der Anfang vom Ende. Ich wei\u00df nicht wie, aber Tom hatte es irgendwie erfahren. Heute bin ich der Meinung, er hatte es gesp\u00fcrt, so wie er vieles gesp\u00fcrt hatte. &#8211; Er stellte mich zur Rede. Erst versuchte ich zu leugnen, aber es hatte keinen Sinn. Die Stimmung war schei\u00dfe und durch den Alkohol war ich enthemmt und so schrie ich ihn an und sagte Dinge die ich besser nicht gesagt h\u00e4tte. Ich wei\u00df nicht mehr was ich ihm alles gesagt hatte, ich kann mich nur noch an eines erinnern: Seinen Blick als er zu mir sagte, &#8222;Aber Claudia, ich liebe dich doch&#8220;. Dieser Blick war voller Angst und Hoffnung zugleich. Doch ich bl\u00f6de Ziege habe nur gelacht und bin zur\u00fcck zu Bernd gegangen. Die n\u00e4chste Zeit war schrecklich. Ich konnte nicht sofort zur\u00fcck zu meinen Eltern und dort einziehen und ich konnte schon gar nicht bei Bernd einziehen. So blieb ich mit Tom in einer Wohnung. Bernd kam oft zu Besuch. Immer wenn er Auftauchte war Tom verschwunden, in sein Zimmer oder hinaus in die Nacht. Da wir noch zusammen in einer Wohnung lebten lies es sich nicht vermeiden, da\u00df wir uns \u00f6fter sahen. Doch es wurden kaum noch Worte zwischen uns gewechselt. Nur einmal, es war kurz vor diesem Abend. Da kam er zu mir. Das Gesicht irgendwie versteinert, die Augen leer. &#8222;Claudia, was ist los mit uns ?&#8220;, fragte er mit trauriger Stimme. &#8222;Wo ist all die Liebe hin, wo ist unsere Zukunft ??&#8220; Nun, ich habe auf all seine Fragen nicht geantwortet, habe starr zum Fernseher gesehen. Ich h\u00e4tte auch nicht gewu\u00dft was ich sagen sollte. Er blieb noch einige Minuten in der T\u00fcr stehen und sah mich mit versteinerter Miene an. Dann huschte ein L\u00e4cheln \u00fcber sein Gesicht. &#8222;Es ist Zeit zu gehen. Die Drachen rufen meinen Namen&#8220; Ich verstand es damals nicht. Jetzt habe ich es verstanden, einen Tag sp\u00e4ter wu\u00dfte ich was er gemeint hatte. Am n\u00e4chsten Tag rief Bernd an, ob er heute Abend bei mir mit ein paar Freunden vorbei kommen d\u00fcrfte, er h\u00e4tte etwas wirklich aufregendes f\u00fcr mich. Ich sagte ja. Heute wei\u00df ich nicht, ob alles so gekommen w\u00e4re, wenn ich nein gesagt h\u00e4tte. Ich glaube schon, aber der Zweifel nagt trotzdem in mir. Und so kam dieser Abend der mein Leben, mein Denken so beeinflussen sollte immer n\u00e4her. Bernd kam mit 2 Freunden und einer Frau. Sie war so um die 50. &#8222;Sie ist ein Medium&#8220;, erz\u00e4hlte Bernd mir. &#8222;Wir werden heute versuchen Kontakt mit einem Geist aufzunehmen.&#8220; Mir war das alles irgendwie nicht geheuer, aber irgendwie fehlte mir auch der Mut dagegen aufzubegehren. So setzten wir uns alle im Kreis auf den Boden. Kerzen wurden aufgestellt und die Frau breitete allerlei eigenartige Dinge in der Mitte aus. Wir nahmen uns bei den H\u00e4nden und die Frau begann mit einer Art Sing Sang. Ich fand das alles ziemlich albern, doch konnte ich mich der Atmosph\u00e4re nicht entziehen. Die Luft schien vor Magie zu knistern. Die Frau h\u00f6rte mit ihrem Gesinge auf und sprach in die Mitte des Raumes: &#8222;Ist jemand hier in der N\u00e4he, komm und besuche uns, wir warten auf dich.&#8220; Niemand antwortete, klar, genau das hatte ich erwartet. &#8222;Ich sp\u00fcre etwas&#8220;, sagte da die Frau. &#8222;Es ist stark, es kommt auf uns zu&#8220;. Sie verstummte und verfiel wieder in ihren Sing Sang. Irgendwie konnte ich sp\u00fcren, da\u00df sich etwas tat. Und da sahen wir es. In der Dunkelheit des Hintergrundes war auf einmal ein Licht. Erst schwach. Doch es pulsierte und wurde st\u00e4rker. Jetzt sah ich es deutlich, es war ein Tor und hinter dem Tor war &#8230; Zuerst konnte man es nicht klar erkennen, sah nur verschwommenes gr\u00fcn. Doch bald machte ich eine Wiese aus. Ger\u00e4usche drangen an mein Ohr. Das Summen der Frau war l\u00e4ngst verstummt. Es war ein kurzer melodischer Gesang., nein, mehr ein kurzer Ausschnitt aus einem Gesang. Es klang wundersch\u00f6n. Doch die Quelle dieser T\u00f6ne war nicht zu erkennen. Das hei\u00dft noch nicht. Der Blick durch das Tor nahm mich voll in Besitz und die Anderen wohl auch. Die Frau, ich wei\u00df bis heute ihren Namen nicht, stand auf. Sie hatte wohl die gr\u00f6\u00dfte Erfahrung mit solchen Ph\u00e4nomenen und war nicht so gel\u00e4hmt durch sie wie wir anderen. Sie schritt genau auf dieser Tor zu, streckte die Hand nach ihm aus und zog sie zu Tode erschrocken sofort zur\u00fcck. Ein Drache, ja eines von diesen Fabeltieren die es nicht gibt, nicht geben soll, war erschienen und schnappte nach ihr. Ich wei\u00df nicht mehr ob sie geschrien hat, wir alle wurden abgelenkt, genau in diesem Augenblick. Die T\u00fcr zu dem Zimmer indem wir sa\u00dfen \u00f6ffnete sich. Alle Augen richteten sich darauf. Tom trat ein, schlo\u00df die T\u00fcr und ging geradewegs auf das magische Tor zu. Der Drache dahinter schien auf ihn zu warten. Gro\u00df, gr\u00fcn und gr\u00e4\u00dflich. Genauso wie man ihn aus den ganzen Schauergeschichten kennt. Wo er dann Jungfrauen fri\u00dft und tapfere Ritter t\u00f6tet. Die Frau, die noch immer am Tor stand ging zwei Schritte zur Seite. Sie schien Tom Platz machen zu wollen. Was hei\u00dft hier es schien so, sie machte ihm Platz. Ohne sich umzudrehen oder zu z\u00f6gern trat er hindurch und der Drache machte keine Anstalten nach ihm zu schnappen oder ihn gar zu t\u00f6ten. Statt dessen senkte der m\u00e4chtige Drachen sein Haupt und Tom sprang mit einem Satz auf den R\u00fccken des Tieres. (Kann man sowas \u00fcberhaupt Tier nennen ???) Der Drache wollte sich gerade erheben und davon fliegen, da schaute Tom sich nach mir um. Er sah mir einfach nur in die Augen und l\u00e4chelte. Ich sah den Drachen starten, sah ihn Fliegen, h\u00f6rte seinen Gesang und sah das Tor wie es schw\u00e4cher wurde. Und bevor auch nur einer von uns etwas tun konnte war es verschwunden. Es gab nat\u00fcrlich heftige Diskussionen und wir versuchten das Tor erneut zu \u00f6ffnen, aber es gelang uns nicht. Wie es uns auch in den anderen N\u00e4chte nicht gelang. Das ist nun schon ein Jahr her. Ich lebe allein. Bernd war nichts f\u00fcr mich und eigentlich sehne ich mich nach Tom. Denke h\u00e4ufig an die guten Zeiten mit ihm, an die Fehler die wir begangen haben, denke an sein Verschwinden. Und jedesmal schreit in mir eine Stimme, jedesmal schreit sie das Selbe, immer den selben Wortlaut, immer &#8222;Tom, ich liebe dich. Wo bist du&#8220;. Doch es kommt keine Antwort. Verloren. Warum habe ich die Liebe erst erkannt als es schon zu sp\u00e4t war ?? Warum habe ich damals nicht einmal auf mein Gef\u00fchl gelauscht, nicht das was einem immer durch den Kopf geht. Ich meine diese leise feine Stimme die tiefer sitzt, die man so gerne \u00fcberh\u00f6rt, die viele nie geh\u00f6rt haben. Warum ??? Und Nachts liege ich oft wach, und dann lausche ich dem Gesang der Drachen. Irgendwann kommt er mich holen, oder ich finde den Schl\u00fcssel zu seiner Welt. Hoffnung ist das, was mich am Leben h\u00e4lt.<\/p>\n<p><em>Hagen den 27.12.1994<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Winter kam, die N\u00e4chte wurden k\u00e4lter. Ich war mir nicht so ganz sicher, was ich an ihm fand. Da war irgendwie Zuneigung, da war irgendwie Gef\u00fchl. Doch ich war mir nicht so ganz sicher. Und so lief unser Leben so dahin. Bis zu diesem Abend, bis zu dieser Nacht. 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