{"id":7,"date":"2011-01-17T23:57:11","date_gmt":"2011-01-17T22:57:11","guid":{"rendered":"http:\/\/berengi.de\/wpb\/?p=7"},"modified":"2011-01-24T22:11:17","modified_gmt":"2011-01-24T21:11:17","slug":"sterne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berengi.de\/wpb\/2011\/01\/sterne\/","title":{"rendered":"Sterne"},"content":{"rendered":"<p>Die Nacht ist dunkel und kalt. Ein leichter Wind weht durch die Haare. Fahl beleuchtet der volle Mond das Gesicht, die Augen blicken starr zu den Sternen. Es sind die Sterne, die ihn immer so an sie erinnern. So sch\u00f6n, so klar, so hell und doch unerreichbar. Keine Chance f\u00fcr einen einsamen Menschen dorthin zu gelangen, keine Chance f\u00fcr ihn. Er kniet sich nieder, in das feuchte Gras, die Arme erhoben. Versucht die Sterne zu greifen, doch sie rinnen durch seine Finger wie Sand. Sie blinken zwischen seinen Fingern, blinken wie ihre Augen. Ihre Augen, er sieht sie am Himmel zwischen den Sternen blinken. Er erinnert sich noch genau daran, an das erste mal, als er diese Augen sah, so nah vor den seinen. Sp\u00fcrt noch den Geruch ihrer Haut, ihrer Haare. Damals an diesem denkw\u00fcrdigen Tag. Lange ist es her, doch ist ihm, als war es erst Gestern. In seinen Ohren klingen noch ihre Worte, &#8222;ich liebe dich.&#8220; Das Gesicht hat sich in sein Gehirn gebrannt, unausl\u00f6schlich. So sitzt er da auf der Wiese. Durch die Nacht dringt das Heulen eines Wolfes, fern, aus den Bergen. So viel Einsamkeit in diesem Ruf. Sein Blick richtet sich auf die Berge. Ja, er kann die W\u00f6lfe gut verstehen. Auch er m\u00f6chte schreien, in die Nacht hinaus. Doch kein Ton entrinnt seiner Kehle. Es w\u00fcrde nichts nutzen, nichts w\u00fcrde ihn ihr n\u00e4her bringen. Wie die Sterne so unerreichbar f\u00fcr ihn. Seine Gedanken schweifen ab. Sie liegt in seinen Armen. Z\u00e4rtlich streicht er \u00fcber ihr Haar, ihr L\u00e4cheln fasziniert. Sanft ber\u00fchren sich die Lippen, H\u00e4nde streichen \u00fcber weiche Haut. Sp\u00fcrt das bekannte Kribbeln, \u00fcberall in seinem K\u00f6rper. Immer dieses Gef\u00fchl, immer wenn sie sich sehen. Die Wind nimmt zu, holt ihn aus seinen Tr\u00e4umen. Hier ist niemand zum Schmusen. Wenn er aufblickt, kann er sie sehen. Doch ber\u00fchren kann er sie nicht. Schon soviel erfolglose Versuche sich von ihr zu befreien. Die einzige wirkliche Befreiung w\u00e4re der Tod. Doch diesen Weg geht er nicht. Zu lang und zu kalt, ein Ausweg ohne Wiederkehr. Hatte schon so oft versucht sie, sich, seine Liebe zu vergessen. Hatte sich klar gemacht, da\u00df sie unerreichbar ist, da\u00df er sie zwar sehen aber nicht erreichen kann, je schneller man l\u00e4uft um so weiter entfernt sie sich. Und immer wenn man sie fast vergessen hat, blickt man aus Versehen zum Himmel und sieht direkt in ihre strahlenden Augen. Und dann mit einem mal ist sie wieder da. Ist alles Vergessene wieder da. Spukt sie einem wieder durch die Tr\u00e4ume. Sieht sie \u00fcberall, im Supermarkt an der Kasse, im Gedr\u00e4nge im Bus, auf der Stra\u00dfe, hinter jedem Fenster. Alles erinnert an sie, alles sieht ihr so \u00e4hnlich. Und mit den Erinnerungen kommt der Schmerz, das Wissen um die Entfernung. Diese Nacht wird anders, anders als alle tausend davor. Aus den Sternen l\u00f6st sich ein Licht, wird heller, gr\u00f6\u00dfer. Kommt direkt auf ihn zu. Kann seinen Augen kaum glauben, neben ihm im Gras steht ein gl\u00e4nzendes Raumschiff, die T\u00fcr weit offen &#8230; auf dem Weg zu den Sternen. Wunder kann nur die Liebe vollbringen.<\/p>\n<p><em>Paderborn, 19.01.1995<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nacht ist dunkel und kalt. Ein leichter Wind weht durch die Haare. Fahl beleuchtet der volle Mond das Gesicht, die Augen blicken starr zu den Sternen. Es sind die Sterne, die ihn immer so an sie erinnern. So sch\u00f6n, so klar, so hell und doch unerreichbar. 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