{"id":6,"date":"2011-01-17T23:56:05","date_gmt":"2011-01-17T22:56:05","guid":{"rendered":"http:\/\/berengi.de\/wpb\/?p=6"},"modified":"2011-01-17T23:56:05","modified_gmt":"2011-01-17T22:56:05","slug":"der-drache-und-die-prinzessin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berengi.de\/wpb\/2011\/01\/der-drache-und-die-prinzessin\/","title":{"rendered":"Der Drache und die Prinzessin"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Mami, gibt es Drachen ?&#8220;, fragte die kleine Janette ihre Mutter. Diese lie\u00df ihre Handarbeit liegen und schaute auf, &#8222;nein mein Kind, es gibt keine Drachen. Das sind alles nur Geschichten.&#8220; &#8222;Woher wei\u00dft du das&#8220;, fragte die Kleine. &#8222;Ich wei\u00df es halt und jetzt mach das du ins Bett kommst, es ist schon sp\u00e4t.&#8220; Das M\u00e4dchen ging zur T\u00fcr und mit einem &#8222;gute Nacht Mami&#8220;, verlie\u00df sie den Raum. Eine Tr\u00e4ne rann \u00fcber das Gesicht der Mutter, ihre Stickerei fiel zu Boden. Sie hatte soeben ihre Tochter belogen, es gibt Drachen, einen hatte sie mal gekannt. Sie blickte auf die flackernde Flammen im Kamin, die alten Bilder stiegen wieder vor ihren Augen auf. Sie war noch ein junge Prinzessin, damals. Sie spielte im Garten, nahe am Wald, genau da wo ihr Vater es ihr immer verboten hatte. Da sah sie etwas im Gras liegen, sie n\u00e4herte sich vorsichtig und doch neugierig. Vor ihr im Gras lag ein kleiner Drache und sah sie mit gro\u00dfen Augen an. &#8222;Was bist du denn f\u00fcr einer&#8220;, fragte sie ohne eine Antwort zu erwarten. &#8222;Ich bin Kantano der Drache&#8220;, antwortete das kleine Wesen. &#8222;Du kannst sprechen&#8220;, fragte die Prinzessin erstaunt. &#8222;Ja, warum nicht, alle Drachen k\u00f6nnen sprechen.&#8220; So fing das damals an. Sie baute ihm ein Nest aus Stroh, welches sie aus den Pferdest\u00e4llen nahm und brachte ihm immer etwas zu essen. Es dauerte gar nicht lange, da konnte Kantano wieder fliegen. Aber er kam immer wieder zu der Prinzessin zur\u00fcck. Sie spielten, plauderten und hatten eine sch\u00f6ne Zeit. Die Prinzessin wuchs heran und wurde immer sch\u00f6ner, ihr langes, blondes Haar gl\u00e4nzte in der Sonne wie Gold. Es kam die Zeit wo die Prinzen sich f\u00fcr sie zu interessieren begannen. Doch sie sprach lieber mit ihrem kleinen Freund dem Drachen, der ihr immer etwas vorsang wenn sie sich nicht wohlf\u00fchlte und immer f\u00fcr sie da war wenn sie ihn brauchte. Dann kam dieser Schicksalhafte Tag, ihr Vater stellte ihr ihren zuk\u00fcnftigen Mann vor. Ein stattlicher J\u00fcngling, mit einem freundlichen Gesicht. Am Abend rannte sie sofort zu der Wiese am Wald, wo der Drache schon wartete und erz\u00e4hlte ihm alles. Er schaute traurig in ihre Augen, &#8222;ich habe gewu\u00dft das sowas kommt, bald ist es Zeit f\u00fcr uns Lebewohl zusagen.&#8220; &#8222;Nein&#8220;, viel ihm die Prinzessin ins Wort, &#8222;das werde ich nicht zulassen.&#8220; Doch der Drache sah sie weiterhin traurig an und entgegnete, &#8222;da ist etwas was ich dir noch nie erz\u00e4hlt habe. Setze dich zu mir ins Gras und h\u00f6re mir zu.&#8220; Und der Drache erz\u00e4hlte von seiner Welt und offenbarte ihr, das er dort der K\u00f6nig sei. Doch f\u00fchle er sich dort so einsam und nur in ihrer N\u00e4he sp\u00fcre er die W\u00e4rme der Liebe. Die Prinzessin sah ihn lange an ohne ein Wort zu sagen und als es dunkel wurde ging sie zur\u00fcck zum Schlo\u00df. &#8222;Bis Morgen, ich mu\u00df etwas nachdenken&#8220;, rief sie ihm noch zu. Der Drache erhob sich, breitete seine Schwingen aus und entschwand in der Nacht. Am n\u00e4chsten Tag trafen sie sich wieder. Die Prinzessin sah ihn an, wie er da vor ihm im Gras hockte, &#8222;ich habe dar\u00fcber nachgedacht. Ich will diesen Prinzen nicht heiraten, er sieht zwar toll aus, aber er kann mir nicht das geben was du mir gibst. Nimm mich mit in deine Welt.&#8220; So vergingen die Tage, beide lagen so oft sie konnten im Gras und sponnen gemeinsam Tr\u00e4ume \u00fcber die Zukunft. Dann kam der Tag der Hochzeit. Sie hatten abgemacht, da\u00df sie sich am Abend zuvor an ihrer Stelle am Wald treffen um dann gemeinsam in das Drachenland zu fliegen. Der Drache sa\u00df nun schon seit Stunden dort im Gras wo sie immer so gl\u00fccklich gewesen waren und wartete. Die Sonne war schon l\u00e4ngst untergegangen. Er wartete die ganze Nacht und den ganzen n\u00e4chsten Tag. Doch die Prinzessin, seine Prinzessin erschien nicht. Statt dessen h\u00f6rte er den L\u00e4rm der Feier, das Lachen der G\u00e4ste und nach Einbruch der Dunkelheit sah er die bunten Lichter mit denen das Schlo\u00df geschm\u00fcckt worden war. Der Drache sa\u00df dort ganz allein und weinte still vor sich hin. Die Tr\u00e4nen rannten \u00fcber sein Gesicht und fielen zu Boden und dort wo sie die Erde ber\u00fchrten verwelkte sofort das Gras, so bitter waren seine Tr\u00e4nen. Die Hochzeit war zu ende, das Paar lag im Hochzeitsbett, das Fenster wegen der Hitze ge\u00f6ffnet. Gerade wollte der Prinz sie k\u00fcssen, da wehte der Wind den Gesang des Drachens durch das Fenster in den Raum. &#8222;Was ist denn das&#8220;, fragte er gereizt. &#8222;Das wei\u00df ich auch nicht&#8220;, antwortete sie und gab sich ihm hin, mit einer Tr\u00e4ne im Auge. Nur ein Betrunkener sah den Drachen im Licht des Vollmondes verschwinden, aber er konnte sich am n\u00e4chsten Tag nicht mehr daran erinnern. Kein Mensch hatte ihn seitdem je wieder gesehen.<\/p>\n<p>Das alles war nun schon \u00fcber zehn Jahre her, doch noch immer war die Erinnerung in ihr wach. Sie hatte sich damals daf\u00fcr entschieden hier, in ihrer Welt zu bleiben. Hier kannte sie alles, hier kannte sie die Spielregeln. Sie scheute das Risiko und so hatte sie sich schlie\u00dflich doch f\u00fcr die Heirat entschieden. Aber ob das Richtig war, sie wu\u00dfte es immer noch nicht. Am Tage, bei der Arbeit dachte sie nicht daran, auch nicht in der Nacht wenn ihr K\u00f6nig bei ihr lag. Aber wenn sie allein ist, dann kommen die Zweifel wieder hoch. Und manchmal nachts, bei Vollmond, da glaubt sie den Gesang des Drachens zu h\u00f6ren. In solchen N\u00e4chten wei\u00df sie, da\u00df ihre Entscheidung falsch war, denn hier kann man nicht tr\u00e4umen. Schon gar nicht zusammen mit ihrem Mann.<\/p>\n<p><em>Dedicated to Silke N. Paderborn, 16.05.1995<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Mami, gibt es Drachen ?&#8220;, fragte die kleine Janette ihre Mutter. Diese lie\u00df ihre Handarbeit liegen und schaute auf, &#8222;nein mein Kind, es gibt keine Drachen. 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