Die letzte Nacht

Seit Stunden schon ist die Sonne verschwunden,
gewichen der dunklen Nacht,
die sich langsam ausbreitet,
um dann schließlich alles einzunehmen.

In ihrem Geist herrscht Dunkelheit,
so klar wie selten ist der Blick,
der sich schon nach wenigen Metern in der Schwärze verliert.
Doch die Gedanken so glasklar,
auf einmal stürzt die Wahrheit,
die Sinnlosigkeit auf sie ein.

Mit jedem Atemzug wird ihr bewußter,
jeder Herzschlag bestärkt sie darin,
langsam wird ihr alles klar,
erkennt die Sinnlosigkeit ihres Lebens,
all die Lügen,
mit denen man sie abspeisen wollte,
die ganzen Versuche sie zu binden,
sie zu formen,
in einen Roboter zu mutieren,
so zu sein wie sie alle sind.

Diese Nacht,
soll ihre letzte sein,
kein Morgen wird folgen,
wozu auch,
keine Chance mehr,
keine Gelegenheit sich zu wehren.

Leben ??
Was ist das schon ??
Eine Aneinanderreihung von leeren Tagen
und gedankenschweren Nächten.
Zuviel ist zuviel.

Sie hört ihren Herzschlag,
dieser Schlag soll ihr letzter sein,
und so hebt sie die Waffe und drückt ab,
kein weiterer wird folgen.

Paderborn, 30.05.1997

Sehnsucht nach einem neuen Leben

Tag für Tag sitze ich hier,
im Büro,
zu hause.
Die Welt dreht sich
und ich drehe mich mit ihr.

Doch das wie gefällt mir nicht mehr,
doch unfähig es zu ändern,
bin ich nur ein Teil des Ganzen das ich nicht verstehe,
nicht verstehen kann,
und so spiele ich weiter mit,
spiele weiter euer kleines schmutziges Spiel.

Doch die Sehnsucht wird größer,
Tag für Tag wächst der Drang auszusteigen,
einfach abzuspringen,
euer Spiel einfach zu verlassen.

Die Regeln habe ich nie begriffen,
und den Sinn,
nach dem lohnt es sich nicht zu suchen,
denn Geld, Macht, Einfluß,
all das hat für mich keinen Wert.

Und so spiele ich weiter mit,
und weiß nicht warum …

Bielefeld, 14.08.1997

Verkauft

Verkauft
Ich lauf durch die Straßen,
das Licht,
das Rot so grell.

Alte Männer,
vom Leben,
dem Alkohol der vergangen 30 Jahre gezeichnet,
wollen mich locken,
in Shows.
In denen Frauen sich präsentieren,
die ihre Töchter könnten sein.

Schweigsam geh ich weiter,
verloren in Gedanken,
ignoriere ihre Worte,
ihre Gebärden …

An der nächsten Ecke,
wo das Licht nicht mehr ganz so hell,
wo keiner der alten Männer auf mich wartet,
wo ich mich schon fast sicher fühlte,
da fallen sie über mich her.

Jung,
zu grell geschminkt,
zu offensiv,
das Lächeln verbirgt die Lüge.

Ob ich mich nicht für 50 Mark verwöhnen lassen wollt‘,
alles wäre machbar,
nur für mich,
nur heute,
nur jetzt.

Ich sollt‘ nicht lange überlegen,
lieber mit ihr nach oben gehen.

Doch ein Blick in die Augen genügt,
sehe ich doch nur,
was mir schon vorher bewußt.

Ich kann nicht verstehen,
wie kann man sich,
seinen Körper verkaufen wollen,
an jemanden wie mich ?

Der zuviel getrunken,
zu viele Gedanken im Kopf die nicht vergehen möchten,
durch die Straßen zieht,
um seine Einsamkeit zu vergessen …

Ich ging weiter,
lies sie stehen,
und fing an Hamburg zu verachten,
die Stadt in der man sich gedankenlos verkauft …

Hamburg, 11.02.2001

Dunkelheit

Dunkelheit,
umgibt mein Denken,
Leere,
da wo ehemals Leben war.

Die Bäume kahl,
ihr Skelette ragen in den Himmel,
der Himmel grau,
Wolken verhangen.

Die Stadt voller Menschen,
bunt gekleidet,
spüren sie es denn nicht ?

Warme Wintermäntel helfen gegen die Kälte von außen,
doch was ist mit der Kälte die von innen kommt ?

Wenn ich sie so sehe,
wie Roboter in einer Fabrikhalle,
kein eigenes Denken,
die Handlung zwanghaft,
von außen aufgezwungen.

Maschinen,
darum spüren sie den Herbst nicht,
Maschinen,
laufen jeden Tag,
kein Unterschied zwischen Heute und Morgen.

Doch was tue ich hier ?
Mensch in einer Maschinenwelt.

Bielefeld, 20.10.1997

Nie gefragt

Du hast mich nie gefragt,
was ich empfinde wenn wir uns lieben,
du wolltest niemals wissen,
was in meinem Schädel vor sich geht.
dir war es egal,
was ich fühlte.

Du hast dich niemals richtig für mich interessiert,
halt nur ein Kerl mit dem man zusammen lebt.
Nicht mehr,
Nicht weniger.

Von der Sehnsucht

In verräucherten Kneipen,
unter Menschen die nicht denken können oder wollen,
total betrunken,
sich in sinnlosen Diskussionen ergehend,
treibst du dahin,
wie die Planke des längst gesunkenen Schiffes auf dem Ozean.

Tief in dir brennt die Sehnsucht,
versuchst sie zu betäuben,
zu ertränken in Strömen von Alkohol.

Die Augen der Menschen um dich herum sind leer,
ihre Sehnsucht ist erloschen,
gestrandet an einem leeren, trostlosen Strand,
so sitzen sie da,
vor sich das halb leere Glas Bier,
im Aschenbecher verqualmt die Zigarette
und im Kopf nicht ein konstruktiver Gedanke.

Und du bist mitten unter ihnen,
der Sehende unter den Blinden,
und versuchst so zu sein wie sie.

Paderborn, 23.09.1996

Eure Art von Leben

Ihr habt versucht mir eure Art von Leben aufzudrängen,
geregelte Arbeit,
eine schicke Wohnung,
ein schnelles Auto,
keine Gedanken,
keine Fragen, nur Gehorsam.

Eure Art von Leben,
höhlt mich aus,
jeden Tag stirbt ein Teil von mir,
jeden Montag werde ich mehr zu dem Zombie
zu dem ihr mich erziehen wollt.

Doch solange ich noch schreiben kann,
solange meine Gedanken sich noch jagen,
solange noch ein Rest von Magie in mir lebt,
werdet ihr mich nicht bekommen.

Niemals werde ich so wie ihr,
zu einem lebenden Toten,
der heimlich auf seinen Chef schimpft
und dann Zuhause den Frust an seiner eigenen Frau abläßt,
weil die sich nicht wehrt.

Niemals werde ich wie ihr.

Paderborn, 23.09.1996

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