Warten auf die Dunkelheit

Du siehst aus dem Fenster,
der Herbst färbt das Laub der Bäume bunt,
doch in deinem Herz bleibt alles grau.
Kein Witz, kein Lächeln kann dich länger als 2 Minuten aufmuntern,
jeder Versuch dem kalten Griff des Todes zu entkommen mißlingt,
muß mißlingen,
und so sitzt du hier,
starrst aus dem Fenster,
siehst die Jahreszeiten verstreichen,
und wartest,
wartest darauf das sich die Tür öffnet und er dich holt.

Gütersloh, 29.10.1997

Ein Liebesgedicht

Es ist gelogen,
ich sage es dir trotzdem,
ich liebe dich.

Dies ist wahr,
darum sage ich es dir,
du fehlst mir sehr.

Ihr fragt,
wie paßt dies zusammen ?

Es ist nicht einfach in den kalten Nächten allein zu sein
und schnell gewöhnt man sich an eine Lüge,
wenn der Körper des Anderen einen wärmt.

Die Liebe ist schon lange ausgestorben,
geblieben ist nur die Sehnsucht danach.
Doch viele verwechseln genau das,
sie haben nicht begriffen.

Paderborn, 15.08.1996

Heute Nacht

Heute Nacht,
ist es dunkel,
wie in jeder Nacht,
die Fenster fest verschlossen,
Kerzen brechen die Finsternis,
und selbst tief in mir ist etwas Licht,
etwas Wärme.

Heute Nacht,
ist die Nacht nach der gestrigen,
heute Nacht ist nicht so wie die, zwei Tage zuvor,
in mir ist wieder etwas Leben,
der Magier scheint erneut zu erwachen.

Der knochige Hand der Gleichgültigkeit,
der Resignation schien mich schon fest im Griff zu haben,
doch letzte Nacht konnte ich ihr entkommen,
sie hat sich zurückgezogen,
sucht nun nach einem neuem Opfer,
mich soll sie nie wieder erwischen,
mich nicht.

Paderborn, 23.09.1996

Tränen auf Beton

Wo ist der Garten,
in dem als Kinder wir gespielt ?
Wo ist der Kirschbaum geblieben ?
Dessen Früchte so süß,
und aus dem ich viel
und den Arm mir dabei brach ?

Wo ist der Bach,
der unsere Papierboote forttrug,
hinaus auf das große, ferne Meer ?

Wo sind die Kinder,
die hier einst gespielt ?
Wo ist das Lachen,
das an diesen Ort immer zu hören war ?

Ein Supermarkt mit großem Parkplatz,
ist alles was ich jetzt davon noch finde,
und Kinder,
die lachend die Einkaufswagen ihrer Eltern füllen.

Bielefeld, 27.02.2003

Hab Nächte lang überlegt

Hab Nächte lang überlegt,
konnte nicht schlafen,
so viele Gedanken marterten mein Hirn,
wie soll ich es dir sagen ?
Soll ich es dir sagen ?
Empfindest du wie ich ?

Die Tage verstrichen,
dein Lächeln hat sie begleitet,
und wir redeten aneinander vorbei,
ein jeder auf seine Weise.

Hamburg, 26.08.1999

Das Geschenk

Meine Eltern haben mir das Leben geschenkt,
doch hatten sie mich gefragt,
gefragt ob ich es wollte,
gefragt ob ich dazu bereit war ?
Und nun bin ich hier,
hier unter euch,
unter all diesen Menschen,
und komme mir so einsam vor.

Kaum gewinne ich einen Menschen lieb,
so muß er schon wieder gehen,
in eine andere Stadt,
in ein neues Leben,
in den Tod.

Sagt mir,
was empfindet ihr dabei ?

Denn,
es kann nicht nur mir so gehen,
was denkt,
empfindet,
fühlt ihr,
bei jedem Schlag eures Herzens ?

Bielefeld, 09.02.1999

Warum?

Warum,
hat es uns auf diese Welt verschlagen,
wo kommen wir her,
wo gehen wir hin,
wo,
was ist der Sinn des Ganzen ?

Habe tausend Menschen gefragt,
keiner wußte Rat,
habe Nächte lang nachgedacht,
habe die Sterne um Auskunft gebeten,
keine Antwort.

Lebe nun schon fast 27 Jahre hier,
doch bin ich genau so schlau wie zuvor,
kein bißchen weiß ich mehr,
keine von den großen Fragen konnte ich mir beantworten.

Doch jetzt taucht eine neue Frage auf,
eine die ich mir noch nie gestellt,
an die ich noch nie gedacht,
derer ich mir nie bewußt war:

Warum nicht einfach gehen und sehen was kommt,
und erkennen was war ?

Paderborn, 08.03.1996

Wenn die Zweifel kommen

Wenn die Zweifel kommen
die dunklen Schatten der Angst nach dir greifen,
die Verzweiflung an dir nagt.

Dann ist diese Sucht wieder da,
wie ein wildes Tier,
erwacht die Gier nach Alkohol,
einer beliebigen Droge,
etwas das dich betäubt,
deine Gedanken beruhigt,
deinen Körper lähmt,
dich hinfort trägt aus dieser Welt,
dich tötet,
für eine Nacht.

Der nächste Morgen ist vergessen,
und doch er kommt,
um dich zu wecken,
die Erinnerung das du lebst.

Hamburg, 18.08.1999

Dunkelheit

Dunkelheit
umgibt mein Sein.

Meine Gedanken,
stumpf und leer.

Stunde um Stunde quält sich vorbei,
doch ich ertrage jede dieser toten Minuten,
denn meine Hoffnung,
meine Gedanken,
meine Träume,
Wünsche,
kreisen nur um diesen einen kurzen Augenblick.

Die letzten Minuten ziehen vorbei,
der Tod weicht,
und dann

sehe ich dich,
dein Lächeln,
den Glanz deiner Augen.

Vergessen ist die Zeit der Bitternis,
denn du bist da.

Bielefeld, 10.04.1998

Was wird?

Was wird,
wenn ich einmal nicht mehr bin,
wenn mein Körper,
mein Geist von dieser Erde verschwunden sind,
kein Wort von mir mehr den Raum durcheilt ?

Wird jemand an mich denken,
werde ich jemandem fehlen ?

Wird mein Grab nur eines von vielen sein,
werden alle meine Worte vergessen,
wird nichts von mir bestand haben,
wird noch jemand an mich glauben.

War ich überhaupt für jemanden Präsent ?

Was wird aus den Gefühlen,
meinen Gedanken,
die tief in mir gewohnt ?

Was wird,
wenn ich einmal nicht mehr bin ?

Paderborn, 24.09.1996

Die Nacht

Auf jede Nacht folgt ein Tag,
so sagt man,
und so war es bisher auch immer.
Es zieht zum Licht,
in der Dunkelheit der Nacht sind sie hilflos,
können sich nicht orientieren,
es fehlt die Nähe zu den Anderen,
zu der Welt.
Plötzlich ganz auf sich gestellt,
das Lärmen des Tages ist längst verklungen,
gewichen der Stille der Nacht.
Und nun nehmen ihre Ohren Geräusche war,
Laute die sie noch nie gehört,
die sonst von dem Krach der Menschen übertönt wurden,
und nun haben sie angst,
hören ihr eigenes Herz schlagen,
nehmen sich bewuster war als je zuvor.
Der Horizont ist nicht zu sehen
und der Mond erhellt nur schwach die Landschaft.
Angst,
ich bin allein.

So sind sie,
das hektische Leben ohne Ich sind sie gewohnt,
doch sich,
nur sich,
können sie nicht ertragen.

Paderborn, 15.11.1996

Preview

Ich wollte nur sagen,
Danke.

Danke für die kurze und doch schöne Zeit mit dir,
alle unsere Träume wurden wahr,
wahr für wenige Tage.
Du hast ihn mir geschenkt,
einen kurzen Augenblick des Glücks.
Habe die Wärme gespürt,
die ich schon so lange vermißt,
Tag für Tag,
habe mich geborgen gefühlt,
habe gelebt,
geliebt,
in deinen Armen.

Doch jetzt ist es so wie immer,
gekommen wie es kommen mußte,
bin allein
und du bist gegangen,
von mir,
unserer Zukunft gegangen.
Die Schwärze des Lebens hat mich eingeholt.

Geblieben ist nur Erinnerung und Illusion.
„Hoffnung ?“
fragst du ?
Schon lange nicht mehr,
habe zuviel davon gesehen.
Nein,
Hoffnung habe ich schon lange nicht mehr.

Paderborn, 04.12.1996

Trümmer deiner Liebe

Lachend stehst du vor den rauchenden Trümmern deiner Liebe,
doch das dumpf Gefühl in der Magengegend bleibt,
das Lachen klingt unecht,
und dennoch liegt sehr viel Ernst darin.

Lächelnd siehst du dem Bagger zu,
wie er all die Trümmer aus unerfüllten Träumen und zerplatzten Hoffnungen auf die wartenden Lastwagen läd.

Nichts,
nicht mal mehr ein Stein soll an sie erinnern,
es soll kein Grab,
kein Mahnmal mehr an das erinnern,
was du einmal für sie empfunden hattest.

Das Feld ist leergeräumt von dem Schutt der verlorenen Liebe,
spärlich wächst wieder das Gras.
Doch im nächsten Frühling,
blüht hier wieder eine Wiese.

Paderborn, 02.01.1997

Alkohol

Wenn der Alkohol nicht mehr wirkt,
wenn dir nur noch schlecht davon wird,
wenn dich die Wirkung anwidert,
du ihn nur noch konsumierst,
weil da nichts mehr Anderes ist,
wenn es der einzige Ausweg ist,

ja dann,
genau dann,
mein Freund,
bist du auf Droge,

Doch sie ist gerade nicht greifbar,
und darum weichst du auf die Legale aus,
doch die bekommt dir nicht,
schon lange nicht mehr.

Paderborn, 21.03.1997

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